Flamencogitarre - Conde Hermanos - Media Luna - wie alles begann...

Matthias Hafner • 8. November 2021

Die wohl erste Flamencogitarre Media Luna aus dem Hause Conde Hermanos

Im Spätwinter des Vorjahres öffnete sich die Tür der Werkstatt von Conde in Madrid. Keiner wusste, dass Felipe Conde bei dem unangekündigten Besuch einer älteren und sehr eleganten Dame eine wichtige Entdeckung in Bezug auf die Flamenco-Geschichte ihrer Werkstatt machen würden.

Sie brachte einen alten grauen Gitarrenkoffer mit, der mit einer Vielzahl bunter kubanischer Zigarrenbänder verziert war. Sie erzählte, sie sei die Tochter des Flamenco-Gitarristen Pepe de Badajoz und die Gitarre gehörte ihrem verstorbenen Vater. Pepe de Badajoz war Bruder von Manolo de Badajoz und Onkel von Justo de Badajoz, Meister des Flamenco Puro ihrer Zeit. Als sie den Koffer öffneten, lag im Inneren eine Flamenco-Negra mit Fichtendecke und Boden und Zargen aus Palisander, eine Konzertgitarre mit der Media Luna-Form auf der Kopfplatte. Die eigentliche Überraschung kam, als wir das Etikett mit der Aufschrift

„Vda. und Sobrinos de Domingo Esteso - Gravina 7 - Madrid (unterzeichnet von den Brüdern Conde) aus dem Jahre: 1952.“

Dies war das erste Mal, dass sie einer Flamencogitarre auf Konzertniveau mit einer Media Luna-Kopfplatte begegneten, die vor 1953 gebaut wurde. Wir wussten immer, dass das berühmte Kopfplattendesign, das so mit der modernen Flamenco-Welt verbunden ist, Anfang der 1950er Jahre entwickelt wurde. Die Verwendung dieses Designs war immer mit den 1960er Jahren verbunden, als es für erstklassige Flamenco-Gitarren verallgemeinert wurde. In unseren Händen hielten wir die möglicherweise erste dokumentierte Flamenco-Konzertgitarre mit der Media Luna Kopfplatte und Boden und Zargen in Palisander.

Die Gitarre wurde von ihren Besitzern sehr gut erhalten, wobei alle Originalteile erhalten blieben, sie hatte kaum Schäden und vor allem hat sie diesen typischen abgerundeten Klang der alten Zeit, der für unsere Gitarre aus dieser Zeit so charakteristisch ist.

Felipe Conde Jr. begutachtete die Gitarre zusammen mit seinem Vater und beide verliebten sich sofort in sie. Sie beschlossen, diesen außergewöhnlichen Fund selbstverständlich zu erwerben. Felipe Conde Jr. entgegnete darauf, dass er diese Gitarre persönlich als erste Gitarre in seiner persönlichen Sammlung erworben hat, auf der er aufbauen möchte.
Letztendlich erwarb Felipe Conde Jr. diese Gitarre von Pepe de Badajoz‘ Tochter, die mehr als glücklich war, dass die Gitarre endlich einen Kreis geschlossen hatte und an ihren Geburtsort nach Madrid zurückkehrte.

Die Werkstatt in der Calle Gravina 7 in Madrid wurde 1915 von Domingo Esteso eröffnet. Anfang der 1950er Jahre wurde der wohl weltberühmteste Kopf mit dem Namen "Media Luna = Halbmond" hier designed. 

Anfang der 1960er Jahre wurden die Gitarren weltberühmt durch Gitarristen wie Niño Ricardo, Sabiacas, Melchor de Marchena, Mario Escudero, Paco de Lucía, Paco Cepero, Enrique de Melchor, los “Hbichuela”, Oscar Herrero, Gerardo Núñez, Rafael Riqueni, Tomatito, Al di Meola, John McLaughlin, Bob Dylan, Cat Stevens, Leonard Cohen und andere. 

Hier entstand auch die erste "Flamenca Negra" mit Palisander als Korpusholz. Die bisherigen Flamenco-Gitarren waren aus Zypresse. Den Palisander kannte man nur von klassischen Konzertgitarren.  Auf diese Weise wurde ein neuer Klang kreiert, der durch die Flamenco-Legende "Paco de Lucia" weltberühmt geworden ist, und mit ihm auch das Modell "Media Luna".


Conde Hermanos Media Luna
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Sabicas, mit bürgerlichem Namen Agustín Castellón Campos geboren 1907 in Pamplona, †14. April 1990 in New York, Flamencogitarrist. Er gehört zu den ganz großen Altmeistern und Legenden des Flamencos. Sein Künstlername geht angeblich darauf zurück, dass er als Kind gerne „habicas“ verzehrte, wie er die im Spanischen als habas bezeichneten Bohnen nannte. Bereits im Alter von zehn Jahren debütierte Sabicas als Solist in Madrid, wo er in der Folgezeit u. a. im Tablao Villa Rosa mit nahezu allen Größen der damaligen Flamencowelt wie José Cepero (1888–1960), Pepe Pinto (1903–1969), Niña de los Peines (1890–1969) und R. Montoya zusammenarbeitete. 1936 verließ er Spanien bei Ausbruch des Bürgerkrieges und ging zunächst mit der Flamencogruppe der Tänzerin Carmen Amaya auf Tournee nach Argentinien. Bis 1950 lebte er in verschiedenen Ländern Lateinamerikas, von 1950 bis 1955 in Mexiko und ab 1955 in New York. Sabicas wurde für sein Schaffen mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter der Premio Nacional de Guitarra Flamenca in Jerez 1967 und der Premio de Radio Nacional de España 1971. Diskographie  (über 60 Schallplatten: Solo, Gitarrenduo und -trio, mit Sängern, erschienen bei RCA, Decca, Elektra, ABC, Brunswick, Hispavox u. a.) Sabicas Flamenco Concert (Keynote, 1947) Sabicas Flamencan Guitar Solos (Decca, 1949) The Greatest Flamenco... Wir haben für Euch das Stück, eine Farruca von Sabicas ausgesucht mit dem Namen "Punto y Tacon" - ein wundervolles Thema des Altmeisters, das er 1959 aufgenommen hat. Viel Spass beim Ausprobieren.
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Es ist ein sommerlicher Oktober-Tag bei 30 Grad in Aldaya an der Costa de Azahar in Spanien. Wir treffen Juan mit Tochter Esther und Schwiegersohn Victor in einem Restaurant zum Mittagessen unweit der Gitarrenwerkstatt. Juan ist ein "Autentico" wie die Spanier sagen, ein Original, immer gut gelaunt und offen in der Kommunikation, sagt was er denkt. Ursprünglich geboren und aufgewachsen ist Juan in Andalusien in der Sierra de Aracena. Die Gegend dort ist bekannt für den berühmten Jabugo-Schinken. Nach dem Mittagessen fahren wir zu seiner Werkstatt, sehr romantisch gelegen umgeben von Orangen-Hainen, die kurz vor der Ernte stehen. Juan öffnet die Werkstatt-Türe und es kommt uns sofort dieser wundervolle Duft von Zypressen-Holz entgegen. Seine Gitarren-Werkstatt hat er Anfang der 70er Jahre in Aldaya gegründet. "Eigentlich bin ich ja schon "jubilario" - (Übs. "im Ruhestand"), aber ich denke auch nach über 50 Jahren Gitarrenbau noch nicht daran aufzuhören", erklärt Juan und zeigt uns mit Stolz und viel Leidenschaft die Gitarren, die er für uns zur Selektion vorbereitet hat. Gemeinsam mit Victor arbeiten 2 Generationen in der Werkstatt und dies ist auch ein wichtiger Aspekt, der die Gitarren von Juan Montes so erfolgreich macht. Hier treffen spanische Gitarrenbau-Tradition auf moderne Ideen und Innovationen.
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